Ich habe eigene Freunde und dazu auch noch Kinder

65596214 - two happy women in a cafe

„Du bist viel strenger als die Mama!“ Huch, was mache ich denn nun mit dieser Aussage? Ist das jetzt gut oder schlecht? Ich will doch, dass sie mich gern haben. Sollte ich nicht ein freundschaftliches Auskommen, insbesondere mit meinen Stieftöchtern, haben?

Ich muss gestehen, dass leichtes Unwohlsein sich in mir breit macht und sich eine Panikwelle ankündigt. Das ist doch genau das, was ich nicht sein wollte: ungeliebt! Es war doch immer mein Ziel, die beste Mama und Stiefmama der Welt zu werden. Nun ja, wenigsten an der Spitze mit zu schwimmen. Alle sollen es gut haben und mit glänzenden Augen von mir erzählen.

Halt! Jetzt wird es albern. Kommen wir auf den Boden der Realität zurück. Was mir wirklich wichtig war und ist, ist Gerechtigkeit. Es sollten die gleichen Regeln für alle gelten: für meine Stiefkinder und für meinen eigenen Sohn. Der Ruf nach Ausnahmen war für mich, insbesondere als die Kinder noch kleiner waren, sehr schwierig. Wenn ich es dem einen erlaube, warum darf es dann der andere nicht? Mein Lieblingstotschlagargument: Aber bei der Mama dürfen wir das! Alternative: Aber die Schwestern dürfen das bei ihrer Mama auch!

Ehrlich gesagt, ist Mama sein in einer Patchwork Familie eine absolute Herausforderung. Da prallen die eigenen Erziehungsvorstellungen mit dem Wunsch nach Harmonie und Einbinden der Stiefkinder aufeinander. Es gibt unheimlich viele Ängste und Schuldgefühlte. Beginnen wir damit, dass die Trennung bei Kindern immer Spuren hinterlässt. Jedes reagiert anders. Das eine mit Klammern, das andere mit absoluter Anpassung und wieder ein anderes mit Ablehnung. Egal wie die Reaktion ausfällt, die Angst nicht mehr geliebt zu werden, ist nicht nur bei den Kindern die Triebfeder für ihr Verhalten, sondern auch bei uns Eltern. Denn seien wir ehrlich: Das Schönste am Elternsein ist doch, dass wir für einen kleinen Menschen der Mittelpunkt der Welt sind.

Und jetzt bekomme ich gesagt: Du bist streng! Panik kommt auf. Notfallprogramm aktivieren: Tief durchatmen, Abstand gewinnen. So … ich bin also streng. Aber was heisst das? Es gibt Regeln, die eingehalten werden sollen. Sind es gute Regeln? Nun ja, einige von ihnen machen das Zusammenleben leichter, andere sind zum Schutz der Kinder und wieder andere sind mir einfach wichtig. Sind die Regeln allen bekannt? Einstimmiges Ja. Gelten sie für alle? Ja. Gibt es Ausnahmen? Mittlerweile hin und wieder nach Verhandlungen mit akzeptablen Alternativvorschlägen. Ok, so schlimm hört sich das doch eigentlich nicht an.

Oh, die Panikwelle steigt wieder an, denn sollte ich nicht eher ein partnerschaftliches und freundschaftliches Verhältnis mit meinen Kindern haben? Durchatmen … Wenn ich ehrlich bin, ist die Verlockung gross und ich bin ihr sicher mehr als einmal erlegen. Denn wer braucht in brenzligen Situationen nicht einen Verbündeten, den man auf seiner Seite weiss. Dem man Probleme erzählen kann, der mit einem leidet und mit einem zum dahinschmelzenden Blick sagt, dass ich die beste Mama der Welt bin. Und wenn der Partner oder die Ex-Frau gerade hinter den Feindeslinien steht, dann bleiben doch immer noch die Kinder, oder nicht? Wie gesagt, die Verlockung ist gross und sie ist doch so einfach und naheliegend.

STOPP: Eins darf ich nie vergessen: Es sind und bleiben Kinder, auch, wenn sie grösser werden. Mein Mann ist mein Partner und mein Freund, manchmal sind wir einer Meinung und manchmal auch nicht. Ich habe Freundinnen mit denen ich lache, die mich verstehen, sich auf meine Seite schlagen oder auch mal eine kritische Bemerkung machen. Und dann habe ich Kinder, die zu mir kommen, wenn sie jemanden brauchen, weil es ihnen nicht gut geht oder weil sie was Wichtiges erzählen möchten, denen ich Regeln, Struktur und Sicherheit gebe.

Also nochmals zurück auf Los: „Du bist strenger als die Mama.“ Ein Lächeln in meinem Gesicht. Ja, das mag sein, doch das ist völlig ok.

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