Mit vollem Engagement ins Desaster

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Ich bin ein Mensch, der nach dem Motto lebt: Entweder ganz oder gar nicht. Auch wenn ich dieses Motto heute noch als durchaus valide bezeichnen würde, muss ich gestehen, dass ich auf die harte Tour lernen durfte, dass auch der Mittelweg eine wichtige Funktion übernimmt.

Aber zurück zum Anfang!

Vor vielen Jahren lernte ich einen sehr attraktiven und spannenden Mann kennen. Ich war hin und weg. Er hatte bereits drei Töchter, doch das kümmerte mich wenig. Die gehörten einfach zum Paket dazu und ich habe mich mit voller Hingabe diesem Mann und seinen Kindern gewidmet. Jedes zweite Wochenende waren sie da und ich habe Stunden damit verbracht alles vorzubereiten. Platz in der Wohnung zu schaffen, einzurichten, einzukaufen, Programm zu planen. Minutiös, versteht sich! Sie waren Teil dieses spannenden Mannes und ich wollte alles geben.

Gab es Unstimmigkeiten mit der Mutter der Kinder, habe ich ihn natürlich in seiner Ansicht bestärkt und eine klare „Kontra-Ex-Frau“-Position bezogen. Alles was den Kindern vermeintlich fehlte, wollte ich besser machen und sei es nur, damit nie das Gefühl aufkommen würde, dass die Kinder zu kurz kämen.

Wir sind 200m neben der Wohnung der Kinder eingezogen, damit sie den Papa nicht vermissen müssen. Ferien wurden ab da selbstverständlich immer mit Kindern gemacht. Und natürlich hatte ich eine klare Erziehungsvorstellung, die sofort in die Tat umgesetzt wurde. Schliesslich wollte ich auch noch Kinder und da mussten die Regeln von Anfang an klar und gleich sein!

Hatte ich erwähnt, dass ich autoritär erzogen wurde? Das Wort eines Erwachsenen gilt, und sei es noch so leise ausgesprochen. Konsequenzen bei Nichtachtung wurden angesagt und ohne Ausnahme durchgezogen. Waren wir eingeladen, kamen wir natürlich in Vollausstattung. Was andere in die Verzweiflung getrieben hätte, war für mich der Inbegriff der modernen Grossfamilie.

Hatte ich irgendetwas vergessen, in diesem perfekten Szenario?

Eine winzige Sache vielleicht. Hätte ich eventuell in Betracht ziehen sollen, dass der Traummann und seine Kinder vielleicht andere Bedürfnisse hatten als die von mir angenommenen?

Und genau diese winzig kleine, vernachlässigte Sache, hat mich, meine Beziehung, das Verhältnis zu den Mädchen meines Mannes und auch meine eigene Mutterrolle für meinen Sohn ans Limit gebracht. Die Erwartungen an mich, und auch an die anderen, habe ich selber immer höher geschraubt. Mit meinem über-engagierten Ansatz habe ich meinen Mann in eine Zwangslage gebracht, denn er hatte ja gar nicht mehr die Chance etwas richtig zu machen. Das galt natürlich auch für die Mädchen. Und wenn ich nach meinem Arbeitstag meinen Sohn aus der Tagesschule geholt habe, war ich so erschöpft, dass ich weder Geduld noch Freude hatte.

Das hört sich alles fast schon theatralisch an. Das Schlimme ist nur, es war wirklich so.

Der Wendepunkt kam, als ich realisierte, dass ich einfach nicht mehr konnte. Ich hatte mich so ausgepowert, dass ich mir eingestehen musste, dass es so nicht mehr weitergeht. Und ich habe das Beste gemacht, was man in dieser Situation tun kann: Ich habe mir professionelle Hilfe geholt!

Jetzt sind fast zwei Jahre vergangen und ich habe noch nie so viel Freude am Leben gehabt wie jetzt. Mein Mann und ich gewinnen Stück für Stück unsere Paar-Beziehung zurück. Die Mädchen werden nicht mehr von mir erzogen, denn dafür haben sie eine Mutter. Sie brauchen mich nicht in dieser Rolle. Das Spannende ist, dass sie jetzt von alleine zu mir kommen. Und meine Mutterrolle? Sie ist herrlich! Ich habe Geduld, auch wenn ich immer noch sehr konsequent bin. Und das Beste ist: Ich lache wieder mit meiner Familie!

Zeit nehmen und Raum schaffen, für sich selbst und jedes involvierte Individuum, Fünf gerade sein lassen und den Spass am Leben als höchste Priorität setzen, das ist nun mein Lebensmotto. Ich kann es nur empfehlen!

 

 

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