Das Gedächtnis einer Vergangenheit

Gerade bin ich in der Bibliothek über ein Buch gestolpert. Das Thema: „Patchwork Mama“. Natürlich habe ich das Blättern begonnen und war riesig gespannt auf die Erkenntnisse und Tipps. Für Aha-Erlebnisse bin ich immer offen.

Und so überfliege ich locker fluffig die Seiten, als mir die Aussage, dass in einer Patchwork Familie die Kinder das Gedächtnis der Vergangenheit sind, ins Auge springt. Ich muss gestehen, diese Aussage ist nicht ohne.

Gehe ich doch mal zurück in meine Vergangenheit. Wie sahen die Anfänge neuer kinderloser Beziehungen aus? Schmetterlinge und Vorfreude, Prioritäten Verschiebung in Richtung neuem Partner, endlose Gespräche und romantische Stunden. Neben der Tatsache, dass irgendwann immer der Alltag einkehrt, gab es durchaus auch Déjà-vu-Erlebnisse an alte Beziehungen. Die werden dann mal mehr, mal weniger zum Thema, aber irgendwann mit der Zeit ist alles in das neue Leben integriert. Alte Geschichten und Erinnerungen können abgeschlossen werden, und ich selber konnte entscheiden, was ich mit in die neue Beziehung nehme, und was nicht.

Der völlige Kontrast ist der Anfang einer Patchwork Familie! Spätestens jedes zweite Wochenende übertritt die lebendige Erinnerung an die Vergangenheit und eine verflossene Beziehung die Türschwelle. Sie steht mitten in meinem Leben, mitten in meiner Beziehung und ggfs sogar mitten in meiner eigenen neuen kleinen Familie. Diese Erinnerungsträger, haben jedes Recht darauf, willkommen zu sein, integriert zu werden, Aufmerksamkeit zu bekommen und Teil der Familie zu sein.

Aber wie lässt sich das trennen von den unschönen Gefühlen an die Ex-Frau? An die Streitigkeiten während der Trennung? An die Kompromisse, die auch meinen Alltag als „neue“ Frau betreffen? An die Meinungsverschiedenheit in der Erziehung? Oder auch an schöne Erinnerungen, im Sinne von was Früher alles besser war?

Seien wir ehrlich, die wenigsten Beziehungen mit Kindern gehen ohne Diskussionen zu Ende, auch wenn es immer wieder im Sinne der Kinder versucht wird. Es ist einfach Fakt, dass es gute Gründe für die Trennung gab. Und die Erinnerung daran wird immer wieder von unschuldigen Boten in die eigenen vier Wände getragen.

Sicher, mit der Zeit relativiert sich vieles. Doch gerade die Anfangszeit kann wie ein Eierlauf sein. Jeder möchte es gut machen. Eigene Bedürfnisse und Gefühle werden zurückgestellt. Aber gerade hier liegt die Gefahr. Unterdrückte Bedürfnisse, Gedanken, Gefühle … was auch immer, kommt irgendwann an die Oberfläche. Dann meist mit einer Gewalt, die ihr ursprünglich nicht zueigen gewesen ist.

Eins habe ich gelernt in meiner Zeit als Patchwork Mama: Jeder hat Bedürfnisse, jeder macht Fehler, jeder möchte zu einer guten Lösung beitragen und am Ende in einem möglichst friedlichen Miteinander leben und niemand hat die Weisheit mit Löffeln gefressen. Die Erwartungshaltungen sind hoch, die kritischen Beobachter zahlreich.

Es ist wichtig, seine Gedanken und Bedürfnisse anzubringen. Für jeden in diesem neuen Beziehungs-Vieleck. Es sagt ja keiner, dass man sich dabei wie die Axt im Walde benehmen muss.

So wird es auch ein Leichteres, die unschuldigen Erinnerungsträger einfach als Kinder zu sehen und die ihnen vermeintlich anhängenden Erinnerungen in eine neutrale Box gleich neben dem Hauseingang zu verstauen.

 

Hier geht’s zu singlemitkind.ch

 

 

 

 

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